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© copyright  by Udo Blum
 

Der Abdruck des Fotos erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Merkel, Mitautor des Buches "Auf die Welt gekommen", Hrsg. Thomas Harms, Leutert Verlag Berlin.

 
     

Säuglings- und Kinderbehandlungen

Die Craniosacrale Osteopathie oder Craniosacrale Therapie hat sich als eine eigenständige Methode mit eigenen Spezialisierungen aus der klassischen Osteopathie entwickelt. Eine dieser Spezialisierung ist die Kinderbehandlung.
Die Craniosacrale Osteopathie (CSO) ist nicht nur ein mechanisches Richten von anatomischen Strukturen, das Besondere an der heute praktizierten CSO ist, dass die Therapeuten lernen, über ihre Hände mit dem Kind zu kommunizieren. Sie entwickeln somit einen sehr konkreten Kontakt zum Kind und zu den, das Zentrale Nervensystem umschliessenden Strukturen, insbesondere zu den Schädelknochen und zum Kreuzbein.

Die Kommunikation mit den Strukturen (auch mit dem Nervensystem selbst) bezieht sich nicht nur auf deren Lage oder Bewegungsblockierungen, sondern vor allem auf die Dynamik ihrer Eigenbewegung, den Cranialen Rhythmischen Impuls (CRI). Wichtig für die therapeutische Wahrnehmung sind dabei Frequenz und die Amplitude des CRI.

In der Kinderbehandlung sind wir ganz besonders auf solche nonverbalen Zeichen angewiesen. Die sehr bewusste und subtile Kontaktaufnahme und Kommunikation ermöglicht dem Kind eine tief greifende Entspannung, die nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Spannungen lösen kann. Erstaunlich ist immer wieder die wachsende Autonomie, die die Kinder im Laufe einer Behandlungsserie gewinnen können.

Es ist wichtig, noch einmal zu betonen, dass die Craniosacrale Osteopathie keine mentale Arbeit ist. Genaueste Kenntnisse über die anatomischen Strukturen und praktische Erfahrungen über Jahre erlauben es, die Strukturen mit den Händen zu erkennen und somit auch Fehlstellungen und Veränderungen in der Eigenbewegung zu identifizieren.

Craniosacral Praktizierende, die mit Kindern arbeiten, haben neben ihrer craniosacralen Ausbildung entsprechende Weiterbildungen für Behandlungen mit Babys und Kindern absolviert und verfügen zusätzlich über Erfahrungen als Eltern und/oder Pädagogen/innen.

(Bearbeiteter Auszug aus der Kinderbroschüre des Schweizerischen Dachverband für Craniosacral-Therapie, SDVC).

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Protokolle

Zwei kurze eigene Protokolle von Behandlungsstunden von L. (Mädchen, 5 Jahre) sollen - mit eingeholter Erlaubnis der Eltern - eine Skizzierung möglicher Behandlungsabläufe aufzeigen:

1. Stunde
Die Eltern klagen über immer wieder auftretende hyperaktive Schübe des Kindes. L. läuft dann ungestüm herum und ist in ihrer Aktivität, die sichtlich erschöpfte Mutter zu provozieren, nicht zu bremsen. Das hat schon viele Spannungen und Streitereien erzeugt.
L. hat in den letzten Jahren zunehmend ihre Hyperaktivität reduzieren können, u.a. durch homöopathische Medikamente, Heileurythmie und die liebevolle klare Betreuung im Kindergarten. Einige wenige osteopathische Behandlungen im Alter von 3 Jahren haben leider kein Ergebnis gebracht.

Vom Kinderarzt wurde jetzt eine Sehschwäche des rechten Auges festgestellt und die Mutter meint, es sei einen Versuch wert, vor dem Augenarztbesuch einen Behandlungsversuch mit Craniosacraler Osteopathie zu starten, da L. doch mittlerweile ruhigeren Therapieformen zugänglicher sein könnte.

L. liegt ruhig (!) auf der Liege, sie geniesst den flächigen Kontakt meiner Hände, die wie ein "Zelt" auf ihrem Kopf liegen. Eine grosse Spannung am Occiput (Hinterhaupt) fällt gleich auf. Die Membranen (Hirnhäute) sind ebenfalls unter starker Zugspannung. Der Craniale Rhythmus (CRI) kommt zwar regelmässig aber nur schwach zum Ausdruck.
Ich dekomprimiere (entlaste) das Occiput und es dauert eine Weile, bis sich die Spannung löst. Zum Glück kann L. es ruhig geniessen.

Als die Spannung sich - begleitet von einem ruhigeren und tieferen Atmen - löst, kommt der CRI besser zum Vorschein. Nach einigen Massmovements am Schädel (Flüssigkeitstmobilisierungstechnik) lässt L., die anfängt, schläfrig zu werden, die tiefer gehende Arbeit an den Membranen zu. Ich stapele die Dura (Membranenentspannungstechnik) und L. schläft ein. Noch eine ganze Weile begleite ich den CRI, der jetzt schön und kräftiger durchkommt.

2. Stunde (14 Tage später)
Die Zwischenzeit war für L. und ihre Eltern relativ harmonisch. Das nächtliche Einnässen, von dem mir die Mutter erst jetzt berichtet, hat sich verblüffenderweise reduziert, L. hat einige "trockene" Nächte gehabt.
Jetzt erzählt mir die Mutter noch, dass L. auch wegen Kopfschmerzen beim Kinderarzt gewesen sei und dieser eine Blockierung in der Brustwirbelsäule festgestellt habe. Seit der ersten Behandlung klage sie jedoch nur noch selten über Kopfschmerzen.
Ich taste die Wirbelsäule sanft durch und spüre in der oberen und mittleren Wirbelsäule eine Unbeweglichkeit und einen Muskelhartspann.
L. sitzt auf dem Schoss der Mutter und nach einer kurzen Stapelarbeit der Symphysis sphenobasilaris (für die Craniosacrale Arbeit sehr wichtiger Bereich an der Schädelbasis) gehe ich die Wirbelsäule Wirbel für Wirbel stapelnd (spezielle Technik) durch.
Zwischendurch muss L. immer wieder einmal aufstehen und im Raum umherlaufen, bevor sie wieder bereit ist, ruhig zu sitzen. Der CRI ist ruhig, mittelkräftig und gleichmässig. Die Spannung am Occiput ist nicht wiedergekehrt.

 

"Kinder sind im Allgemeinen wundervolle Patienten. Sie reagieren unmittelbar auf eine osteopathische Behandlung. Es wird allerdings ein paar Sitzungen dauern, um einige Probleme genau zu verstehen, besonders die, die den Schädel betreffen."

Rebecca Lippincott, Schülerin Sutherlands

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